Unternehmenssteuerreform III (USR III) Ungerechte Steuerbelastung in der Schweiz und in Europa

Im Februar stimmt das Schweizer Volk über die USR III ab. Diese Reform unterstützt eine seit 35 Jahren eingeführte „neo-liberale“ Strategie, die Steuern auf Unternehmensgewinnen und Einkommen der Superreichen zu senken. Der Erfolg dieser Bemühung kapitalkräftiger Kreise schadet 99% der Menschen in Europa. Er führt zu einer höheren Steuerbelastung der mittleren Einkommen und des Konsums. Mit diesem Beitrag möchte ich die globalen Zusammenhänge darstellen und begründen, warum im Februar ein NEIN in die Urne gelegt werden soll.

Die Steuerbelastung der Unternehmensgewinne betrug im europäischen Raum in den 70er Jahren 20 bis 35%. Im Rahmen des weltweiten Standortwettbewerbs, der mit der Globalisierung in den 80er Jahren begann (neoliberale Welle), führten einige Schweizer Kantone (zuerst Zug, Genf, Waadt) und Gemeinden/Städte für ausländische Firmen (auch für Superreiche) Privilegien ein, sogenannte Holding-Privilegien. Dabei wurden deren Gewinnsteuersätze auf etwa 9 bis 11% gesenkt! Die Kantone/Gemeinden wollten damit ausländische Firmen veranlassen, ihren Steuersitz in die Schweiz zu verlegen. Das gelang ihnen auch: unzählige internationale Firmen etablierten so ihren Sitz in der Schweiz. Heute sind gegen 24‘000 ausländische Firmen in der Schweiz steuerprivilegiert. Dabei blieben die Gewinnsteuersätze für inländische, schweizerische Firmen im Bereich von 20 bis 25% bestehen. Dies wird international klar als Dumping bezeichnet. Den europäischen Ländern ging und geht damit viel Steuersubstrat verloren. Die Schweiz schadete damit ihren europäischen Freunden: sie verloren Steuersubstanz an die Schweiz. Daraufhin intervenierte die EU bei den Schweizer Behörden mit der Forderung, die Schweiz möge die Gewinnsteuern für alle Unternehmen, schweizerische und ausländische, gleich hoch festlegen, sonst läge illoyale Konkurrenz vor.

Die Schweiz sah die Richtigkeit der EU-Argumente ein; daher stimmen die Schweizer nun über die USR III ab. Dabei werden die Gewinnsteuersätze der ausländischen Firmen jedoch nicht auf das Niveau für inländische Firmen angehoben – was dazu führen könnte, das ausländische Firmen die Schweiz wieder verlassen – sondern die Gewinnsteuersätze der schweizerischen Firmen sollen auf 12 bis 15 % gesenkt werden. Damit würden die Schweizer Kantone und Gemeinden aber viel Steuereinkommen verlieren. Da die öffentlichen Ausgaben nicht einfach abnehmen können, versucht die USR III Kompensationen für diese Steuerverluste einzuführen. Per Saldo werden jedoch Steuerverluste eintreten. Dies wird zu Kürzungen der öffentlichen Ausgaben zu Gunsten der Allgemeinheit führen, z.B. für Gesundheit, Infrastrukturen oder Bildung. Sind diese Kürzungen nicht möglich, werden die Einkommens- und Konsumsteuern erhöht werden, die den Mittelstand und ärmere Schichten mehr treffen als Superreiche.

Die Strategie neoliberaler Kreise bei diesem internationalen Steuer-Karussell ist folgende: In den 80er Jahren beginnt irgendein Land, z.B. Luxemburg, (oder Lichtenstein oder die Schweiz) die Steuern auf ausländischen Konzerngewinnen oder auf Einkommen der

Superreichen zu senken. So werden ausländische Firmen angelockt – oder Superreiche, z.B. mit der schweizerischen Pauschalbesteuerung. Wegen dem Standortwettbewerb müssen nun andere Länder gleichziehen, wenn sie nicht zu viel Steuersubstanz verlieren wollen: Belgien, England, Irland und andere führen ähnliche Steuerprivilegien ein für ausländische Unternehmensgewinne und Reiche. Am Ende dieser Abwärtsspirale betragen dann in Europa die Gewinnsteuersätze der Unternehmen 10 bis 15%, wo sie früher bei 20 bis 30% lagen. Heute, nach 30 Jahren erfolgreicher Abwärtsspirale der Steuern auf Gewinnen und hohen Einkommen bezahlen die Wohlhabenden in Europa deutlich weniger Steuern als früher. Die anderen bezahlen dafür mehr Steuern, um die Löcher zu stopfen; oder öffentliche Aufgaben werden abgebaut; oder die öffentliche Hand verschuldet sich noch mehr.

Man muss heute sagen, dass die neoliberale Strategie, die Kapitalkräftigen von der Finanzierung der Staatsaufgaben zu entlasten wunderbar funktioniert hat: die Steuerlast wurde zu den mittleren Einkommen und den Konsumenten (über die Mehrwertsteuern) verschoben. Man beachte zusätzlich, dass unzählige Superreiche ihre Vermögen und Einkommen in das weltweite Netz der Steuerparadiese (offshore Finanzplätze) verschoben haben und so ihrer Steuerpflicht nicht nachkommen.

Wir sollten dieser „liberalen“ Strategie endlich einen Riegel schieben und NEIN stimmen, so nicht mehr!

Dem Steuerwettbewerb zu Lasten der Allgemeinheit müsste mit einer europäischen (auch schweizerischen) Harmonisierung der Steuern auf Unternehmensgewinne begegnet werden. Die Senkung der Gewinnsteuern oder der Besteuerung der Superreichen ist kein Leistungswettbewerb, sondern ein übler Kampf gegen befreundete Länder und die Allgemeinheit, bei dem letztlich die Kapitalelite noch reicher wird.

(Gil Ducommun publizierte 2015 Die Aushöhlung der Demokratie – Kapitalkonzentration und Macht, Ed Menschenklang)

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Migration: Ein Massnahmenkatalog

für Europa, Schwarzafrika und den islamischen Raum,
von Gil Ducommun

pexels-photo-9816Ursachen und Lektionen

Beginnen wir mit kurzen Ausführungen über die Ursachen der Migration, bevor wir die Ebenen des Handelns betrachten.

In den Jahren 1950 bis 2000 hat es Europa verpasst, einen Aufbau von Handwerk und Kleinindustrie in Afrika und dem Nahen Osten zu unterstützen, bei gleichzeitig sanfter Modernisierung der Familienlandwirtschaft. Dabei wäre es vor allem um die lokale Produktion der agrarischen Produktionsmittel, die Verarbeitung der Agrarprodukte für den Eigenbedarf, die Bauwirtschaft und die Erstellung grundlegender Infrastrukturen und Verwaltungen gegangen. Aus kurzfristigem Eigeninteresse wollte man die Länder zu Rohstofflieferanten und Konsumenten europäischer Industriegüter machen. (Das misslang, weil Japan und später China diese Märkte massgeblich eroberten.) Zu diesem Zweck haben Europas Wirtschaft und Politik die lokalen politischen und wirtschaftlichen Eliten korrumpiert. Diesen wurden nicht nahegelegt, für das Gemeinwohl ihrer Völker zu handeln. Zudem herrschte der Kalte Krieg mit dem Sowjetblock, bei dem man sich hütete, lokale Eliten vor den Kopf zu stossen.

Bei einem Bevölkerungswachstum von 2,5 bis 3 % pro Jahr konnte dies nicht gutgehen. Heute steht die Jugend dieser Länder verzweifelt in den Städten herum, ohne Aussicht auf ein würdiges Auskommen, bei 20 bis 50 % Arbeitslosigkeit.

Die Migration aus Verzweiflung hat Europa – der ganze Westen – wesentlich mitverursacht. Jetzt bezahlen wir die Zeche. Entwicklungspolitische Lektion 1: Wenn man ein Problem nicht früh an der Wurzel anpackt, wird seine Lösung in der Zukunft viel schmerzhafter und teurer. Diese Regel gilt auch für den Klimawandel.
Lektion 2: Wenn wir in einer Partnerschaft nicht ebenso für das Wohl des anderen Sorge tragen wie für unser eigenes, geht das schlecht aus. Das gilt für Ehepaare wie für die Weltgemeinschaft. Wir müssen für das WIR sorgen, das schliesst die Interessen der anderen UND die Eigeninteressen ein. Lektion 3: Wenn es dem DU gutgeht, wird es auch mir gut gehen. Wenn es dem anderen schlecht geht, werde auch ich leiden.

Im heutigen Weltkontext sind die Konzepte der staatlichen Eigeninteressen und das Prinzip der Nichteinmischung total überholt. Wir brauchen aussenpolitisch ein Konzept des Gemeinwohls (das Welt-WIR) und der weitsichtigen, mitfühlenden Einmischung; zumindest: nicht die Schwächeren ausnutzen, ihr Wohl im Auge behalten.

Eine weitere Ursache für die heutige Migration besteht darin, dass die OECD-Länder die Demokratie in Ländern einführen wollten, die dazu gar nicht in der Lage waren. Demokratie funktioniert in dominant patriarchal-hierarchischen, mythischen oder gar animistischen Kulturen nicht, ebenso nicht, wenn Analphabetismus weit verbreitet ist. Hier ist Kontrolle von unten nach oben kulturell undenkbar. Starke, aufgeklärte Führungspersonen sind da notwendig, moderne Könige oder Herrscher – dies haben Südkorea, Singapur und später China von 1950 bis 2000 meisterhaft demonstriert.

Massnahmen in Europa
Die Flüchtlinge erhalten den Status provisorischer Aufnahme zur Vorbereitung der Rückkehr, für zwei bis zehn Jahre. Sie erhalten Unterricht in zwei Sprachen, (wie Deutsch, Englisch, Französisch) sowie in demokratischen, rechtstaatlichen Werten. Die jüngeren (15 bis 30) erhalten zusätzlich eine Anlehre oder Berufslehre, die begabteren dann ein FH-Studium. Dann werden sie zu etwa 50 % in den Arbeitsmarkt integriert. Ältere Migranten sollen je nach Kompetenzen zu etwa 50 % in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Der Unterricht könnte günstig durch pensionierte Lehrkräfte im Alter von ca. 62 bis 75 Jahren sowie durch pensionierte gesunde europäische Fachleute im Rahmen eines Aufbau-Zivildienstes der Älteren zum Wohl der Welt erfolgen. Der Grossteil der Flüchtlinge erhält nach der Ankunft für zwei Jahre einen Paten oder eine Patin aus der Zivilbevölkerung. Diese können Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen (es gibt unzählige Haushalte alleinstehender Personen und Paare ohne Kinder). Die jährliche Zahl aufgenommener Migranten mit provisorischem Rückkehrstatus muss beschränkt werden, denn die Aufnahmekapazität der europäischen Länder ist beschränkt. Die Aufnahmekontingente berücksichtigen also die Aufnahmekapazität der Länder: Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft, politische Stabilität (differenzierter Verteilungsschlüssel). Für Migranten die nicht in das jährliche Kontingent dieser Rückkehrprogramme aufgenommen werden können, braucht es würdige Zwischenlager, und zwar nicht alle in der Türkei oder Griechenland! Europa finanziert diese Massnahmen mit Geldern der Entwicklungszusammenarbeit und einem Fonds zur Wiedergutmachung der kolonialen und postkolonialen Ausbeutung. Ziel: Die allermeisten Migranten sollen nicht in Europa bleiben, sondern als ausgebildete Fachleute ihr eigenes Land aufbauen helfen. Haltung in Europa: Die Regierungen/Verwaltungen zeigen gegenüber den Migranten eine dezidierte liebevolle Härte ohne Werterelativismus. Menschen aus hierarchisch-patriarchalen Kulturen verstehen die Sprache der Autorität; Sanftheit und Werterelativismus werden als Schwäche interpretiert.

Zwei Marshallpläne

Für Schwarzafrika und den islamischen Raum (Nordafrika, Naher Osten) erstellt Europa federführend mithilfe der übrigen OECD-Länder, womöglich auch Russlands und Chinas, je einen Marshallplan der Wirtschaftsentwicklung. Es geht darum, die Rückkehr der Migranten vorzubereiten, ein günstiges Klima zu schaffen für Handwerk, Kleinindustrie und Familienlandwirtschaft. Infrastrukturaufbau (Wasser, erneuerbare Energien, Verkehr) wird vorangetrieben, die Steuer- und Zollverwaltung modernisiert. Neue Gesetzgebungen werden entwickelt: wirtschaftsfreundlich, liberal, aber auf das Gemeinwohl ausgerichtet, Korruption und Machtmissbrauch resolut abschreckend.

Die Haltung der Geberländer hierbei: Das kurzfristige wirtschaftliche Eigeninteresse wird diesmal hintangestellt; es geht um ein langfristiges, weitsichtiges Eigeninteresse: die Entwicklung florierender diversifizierter Wirtschaften in Afrika und im Nahen Osten, welche die Migration zum Stillstand bringt und die Frustration und Wut der Jugendlichen in Zuversicht verwandelt. Es werden bewusst keine Volkswirtschaften, die überwiegend auf der Ausbeutung vorhandener Rohstoffe basieren, angestrebt, sondern vielseitige Wertschöpfungsketten in und zwischen den einzelnen Ländern aufgebaut.

Je schneller die Marschall-Pläne greifen, desto rascher können vor Ort migrationswillige junge Leute in Arbeitsprogramme und Unternehmen eingegliedert werden, noch bevor sie auswandern.

Die Märkte der lokalen Produzenten müssen eine Zeit lang, über 10–30 Jahre abnehmend, gegen Konkurrenz von aussen geschützt werden. Man kann auch in der Wirtschaft nicht Schwer- und Fliegengewichte gegeneinander kämpfen.

Die Zusammenarbeit erfolgt lokal mit ideell überzeugten Akteuren, die Eigeninitiative an den Tag legen (man entwickelt sich grundsätzlich selbst); solche gibt es überall, nur werden sie oft von Machtstrukturen an ihrer Entfaltung gehindert. Dazu wird die Erfahrung der Entwicklungs-NGOs mobilisiert. Es werden ausserdem fähige, in Europa ausgebildete Migranten als Kräfte des Aufbaus in ihren Ursprungsländern eingesetzt (Rückkehrer). Korrupte Führer oder Regierungen werden links liegen gelassen. Zudem werden gesunde pensionierte europäische Fachleute als lokale Ausbildner und Berater mobilisiert: im Rahmen des bereits erwähnten Aufbau-Zivildienstes der Älteren zum Wohl der Welt. Das würde als sinnvolle Aufgabe viele Menschen begeistern, ihr Leben neu beflügeln. Die Löhne wären eher symbolischer Natur, da die Lebenshaltungskosten vor Ort viel tiefer sind als in Europa.

Auch wenn Europa, eventuell mit weiteren OECD-Ländern, vorerst allein vorangeht, müssten China und Russland mit der Zeit in ein solches Welt-WIR-Programm eingebunden werden, die Strategie mittragen, sonst könnten sie diese untergraben und verunmöglichen. Weltpolitik als Kampf der Ich-Interessen ist definitiv überholt. Es führt in Zukunft zu mehr Krieg und immensem Leid. Der unerbittliche Wirtschaftskampf (um Rohstoffe, Märkte und Macht) soll in ein faires, offengelegtes Austarieren der Eigeninteressen münden (gemäss der Diskursethik nach Habermas und Apel). Darin bestünde die dringende Schulung der Führungskräfte der Geberländer in Welt-WIR-Führung und -Entwicklung. Der Leitgedanke hier entspricht Lektion 3 der historischen Betrachtung: Wenn es dem anderen gutgeht, wird es auch mir gutgehen. Dabei dürfte auch die Reindustrialisierung Russlands nicht vergessen werden; das Land wurde nach 1989 zum Rohstofflieferanten degradiert.

Zur Finanzierung der Marshallpläne würde – neben der Verwendung von Entwicklungshilfegeldern – ein Entwicklungsfonds für den New Marshall Plan errichtet, gespeist durch eine Abgabe von ein / zwei Prozent auf hohen Vermögen über 10 / 100 Millionen (Euro, Franken). Das ist ein berechtigter Beitrag der heute Vermögenden zur Entwicklung jener, deren Interessen in der Vergangenheit zu wenig beachtet wurden, was zum heutigen Migrations-Schlamassel geführt hat. Lokale Geldquellen (z. B. aus Rohstoffexporten) würden bei der Finanzierung ebenfalls herangezogen.

Islamischer Religionsdialog

Der Kampf zwischen Sunniten und Schiiten (mit Saudi-Arabien und Iran als führenden Kräften) und modernen Islamisten (Arabischer Frühling) bedroht die halbe Welt. Diese muss sich aus wohlverstandenem Eigeninteresse einmischen. Denn die wunderbare Errungenschaft der individuellen Freiheit wird in Europa (und Nordamerika) nun doppelt bedroht: einerseits durch unzählige Sicherheits- und Anti-Terrormassnahmen des Staates, andrerseits durch das Erstarken rechtsextremer Weltbilder und Kräfte, geschürt durch die Angst vor dem Migrantenstrom.

Die UNO sollte einen islamischen Religionsdialog in Gang bringen. Als erster Schritt könnte die Schweiz im Namen der UNO eine islamische Religionskonferenz ausrichten, ohne weiteres Ziel als den, einen Dialog zu beginnen, als ein Sammeln der unterschiedlichen Meinungen und Probleme, als Brainstorming also. Damit würden verfestigte Überzeugungen gelockert und erweitert, und die islamischen Führungseliten in Religion, Politik und Universitäten würden an ihre Verantwortung gemahnt. Man könnte zuerst 40 schiitische, 40 sunnitische und 20 Vertreter des arabischen Frühlings zu einem Dialog einladen. Dabei könnten die Europäer (Historiker, Theologen) von den Erfahrungen mit den christlichen Religionskriegen erzählen, seine Ursachen und Folgen schildern, und wie der Kampf überwunden wurde – aber ohne jede Überheblichkeit!

Da wäre eine hohe Schule der Diplomatie gefragt, reine Hilfestellung aus weitsichtigem Eigeninteresse: mehr Frieden in der Welt, weniger Leid. Der islamische Fundamentalismus, psychologisch verwandt mit dem politischen Populismus in Europa, muss überwunden werden. Dazu braucht es alle liberalen Kräfte, von links bis rechts, eine Koalition aus Sozialdemokraten, Grünen, Christdemokraten, Freisinnigen und Liberalen. Denn es steht unsere freiheitliche Ordnung auf dem Spiel.

Gil Ducommun war Dozent für Entwicklungspolitik und Leiter des Studienganges Internationale Landwirtschaft an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (heute Teil der FH Bern). 2015 erschien sein Buch Die Aushöhlung der Demokratie – Kapitalkonzentration und Macht.

Kapitalkonzentration und Macht – Buchbesprechung von Michael Habecker

Das Buch Die Aushöhlung der Demokratie, Kapitalkonzentration und Macht von Gil Ducommun ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich das Bemühen um eine integral-ausgewogene Sichtweise und eine klare Positionierung mit deutlichen Worten nicht ausschließen, sondern gut zueinander passen können.

Erschienen in Integrale Perspektive 32 10/2015 –
Die ausführliche Besprechung finden Sie im PDF: IP32_Buchbesprechung

IP32_Buchbesprechung

SONNTAGS-MATINÉEN IM „SOUL-ART“

DARBIETUNGEN UND GESPRÄCHE ZU DEN THEMEN: LIEBE, LEBEN UND TOD Eine Gemeinschaftsveranstaltung von SEBIL und Soul-Art Nächste Matinée: Sonntag, 24. Januar 2016 11.00 Uhr – 12.15 – Türöffnung 10.45 Uhr – Eintritt Fr. 15.- danach Apéro

DIE AUSHÖHLUNG DER DEMOKRATIE
Vortrag von Gil Ducommun

Ab 1978 erfuhren die westlichen Demokratien eine neoliberale Wende. Wie kam es dazu? Worin bestand sie? In ihrem Verlauf kam es zu einer beeindruckenden Kapitalkonzentration bei den sehr hohen Vermögen. Damit kam es zu einer Machtballung: Demokratie wurde zur Pluto-Demokratie, die Demokratie der Reichen. Diese beeinflussen nun massgeblich die Politik, die Medien, die Mei-nungsbildung, die Hochschulen, die Forschung, also die Orientierung der Gesellschaftsentwicklung. Was können die Bürgergesellschaften tun, um über ihre Zukunft selbst zu entscheiden. Wollen wir es überhaupt?

SOUL ART
Limmattalstrasse 130 / Tram 13 / Bus 46 / Haltestelle Schwert / 8049 Zürich – Höngg

Matinée – Vortrag –  24. Januar (PDF)

Die Aushöhlung der Demokratie

Cover Gil_ebook-1In den vergangenen 30 Jahren hat die Kapitalkonzentration in den Industrieländern rasant zugenommen. Parallel dazu ist die Macht der Kapitaleliten enorm gewachsen. Über Medien, Hochschulen und Parlamente kann ihre Kapitalmacht in weiten Teilen die in der Gesellschaft vorherrschende Denkweise lenken, was von den Bürgern bislang gravierend unterschätzt wird. Über die Politik ist den Kapitaleliten zudem die Veränderung der Steuergesetzte zu ihren Gunsten gelungen; zugleich haben sie zur Steuerflucht das internationale Offshore-Finanzsystem aufgebaut. So leben wir heute in Pluto-Demokratien, Demokratien der Superreichen. Die fortlaufende Konzentration des Kapitalbesitzes zerstört unsere Staatsform, die effektive Freiheit unzähliger Menschen und den notwendigen Zusammenhalt in der Gesellschaft, nicht nur in den USA.

Paperback – 144 Seiten – Preis Euro 16.80 – CHF 21.90 – Bestellinformationen

Vom Göttlichen, von Gut und Böse, Liebe und Zerstörung und vom Menschlichen

Zusammenfassung

Gewalt und immenses Leid kennzeichnen die politischen Auseinandersetzungen in der Welt, Streit um die jeweils „richtige“ Gesellschaftsordnung, heute besonders im islamischen Raum. Dieser Text postuliert, es wäre für den Frieden auf Erden nützlich, den Verantwortungsbereich des Göttlichen – wie auch immer wir das Transzendente nennen wollen – und den Verantwortungsbereich des Menschen klar zu trennen.

Es gibt eine natürliche, kosmische oder grundlegende Ebene der Schöpfung und des Zerfalls, für die der Mensch keine Verantwortung trägt. Hier können wir sagen: „Es ist, wie es ist.“ Man kann diese Ebene die göttliche oder die grundlegende nennen. Es gibt auch eine irdisch-menschliche Ebene, auf welcher die Menschen festlegen, wie sie untereinander und mit der Natur leben wollen; wir können sie die menschliche nennen. Auf dieser Ebene kommt dem Menschen die volle Verantwortung zu; da lässt sich nicht sagen: „Es ist wie es ist.“

Diese beiden Ebenen klar zu unterscheiden wäre ein Beitrag zum Frieden auf Erden. Es würde die Verantwortungsebenen des Göttlichen und des Menschlichen nicht permanent vermischen. Von der grundlegenden Ebene kann der Mensch nur wenig beiziehen, aber Wesentliches, um seine Gesellschaftsordnungen zu gestalten. Dazu die religiösen Schriften oder religiöse Dogmen heranzuziehen, schafft aber unerbittliche Konflikte. Werden religiöse Schriften beiseitegelegt, werden die Auseinandersetzungen der Menschen um ihre jeweilige Gesellschaftsordnung weniger verbissen, menschlicher, sie können mehr von der Vernunft, der Erfahrung und dem Wohlwollen geprägt sein.

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Elf Folgerungen aus Kapitel 1

(Auszug aus “Die Aushöhlung der Demokratie” (Bucherscheinung: März 2015)
Quellen Angaben: diese Erfolgen dann ausführlich im Buch.)

1 Unzureichende Daten, Vernebelung der Vermögensverhältnisse
Die statistischen Daten über das Kapitaleigentum werden innerhalb und zwischen den OECD-Ländern uneinheitlich oder sogar gar nicht veröffentlicht. Insbesondere über die Vermögenskonzentration beim obersten Prozent der Bevölkerung, die machtpolitisch relevant wäre, erfährt man sehr wenig.

Je nach Quelle besitzt ein Prozent der Schweizer 36 oder 59 % des Gesamtvermögens; ein Prozent der Deutschen 23 oder 36 %. Die Daten von Frankreich und Grossbritannien sind unbrauchbar, jene der OECD sehr veraltet. Frankreich liefert unter dem Suchwort „Vermögensverteilung“ zwar eine Unmenge an Daten über die Einkommensverteilung, nicht jedoch über die Vermögen selbst.

Schon bei der Datenerhebung dürften die Macht- und Denkstrukturen der großen Kapitalbesitzer eingreifen: bei der Tiefe und Ausführlichkeit der öffentlichen Datenerhebungen (Steuerbehörden), beim Detaillierungsgrad der Veröffentlichungen sowie bei den Themen der Universitätsforschung zum Thema Ungleichheiten. Es werden zwar Listen der reichsten Menschen publiziert (Forbes Magazine, Challenges, Bilanz), aber mehr zu Händen der Boulevardmedien und der Regenbogenpresse, zur Bewunderung durch die „people“, nicht zur Bewusstwerdung.

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Der Liberalismus versagt – Mont Pèlerin Society MPS

(Auszug aus “Die Aushöhlung der Demokratie” (Bucherscheinung: März 2015)
Quellen Angaben: diese Erfolgen dann ausführlich im Buch.)

Der heutige Zustand der Welt ist nicht zufällig entstanden. Er ist seit den 1940er Jahren vorgedacht und bewusst herbeigeführt, unter anderem von einem genialen Mann: dem Ökonomen Friedrich August von Hayek und seiner Mont Pèlerin Society.

Wenn wir, aus purer Notwendigkeit, den Übergang unserer Gesellschaft in eine postmaterialistische Kultur denken, haben wir die grossen Bewegungen des gesellschaftspolitischen Denkens einzubeziehen, besonders die Vorstellungen von Wirtschaft und Gesellschaft. Für die heutige Lage der Welt kommt den Theorien des Neoliberalismus eine Hauptverantwortung zu.

Die vier in den Quellen verzeichneten Dokumentarfilme zeigen anschaulich die Entstehung und den Verlauf der Finanzkrise von 2008. Diese breit recherchierten Filme zeigen auf, wie die Krise über einen langen Zeitraum herbeigeführt wurde. Eindrücklich schildern die Bilder, wie Professoren und Universitätsinstitute, Banken, Versicherungen und Konzerne, Lobbyisten und Politiker und die Regierung der USA Hand in Hand die neoliberale Variante des Kapitalismus bis zur Krise von 2008 vorangetrieben haben. Filme haben den Vorteil, uns emotional zu berühren, was für menschliche Lernprozesse entscheidend ist.

Nachfolgend wird die Entwicklung des heute dominierenden wirtschaftspolitischen Denkens ins Auge gefasst, das letztlich zu den in den Filmen aufgeführten Ereignissen geführt hat.

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Welternährung – Landwirtschaft – Agrarindustrie

(Auszug aus “Postmaterialismus – Der nächste Schritt soziokultureller Evolution reicher Demokratien” (Bucherscheinung: Sommer 2015) Quellen Angaben: diese Erfolgen dann ausführlich im Buch.)

Chronische Agrarüberschüsse!

Seit gut 50 Jahren übersteigt die weltweite Agrarproduktion den Bedarf an Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen. Auch deshalb fielen in dieser Zeit die realen Agrarpreise massiv. Schon in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts versuchte man mit Rohstoffabkommen die chronische Überproduktion und den Preiszerfall in den Griff zu bekommen.

Die Situation permanenter Überschüsse konnte man entschärfen, indem man immer mehr Getreide und weitere Nahrungsmittel (z.B. Maniok und Soja) dem Vieh verfütterte um Fleisch und zunehmend auch Milch zu erzeugen. So dienen heute 37% der Weltgetreideernte als Futter, ca. 850 Millionen Tonnen. Weitere 6% oder 150 Mio. Tonnen werden zu Treibstoff verarbeitet. Das Eiweiss der Sojabohne wird dem Kraftfutter beigemischt und aus dem dabei anfallenden Öl wird Biodiesel hergestellt. Aus einem Grossteil des brasilianischen Rohrzuckers entsteht der Kraftstoff Ethanol. All diese Nahrungsmittel, 1000 Millionen Tonnen, verbrauchen die Wohlhabenden in Form von Fleisch, Milch und Treibstoff.

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Anliegen

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Die Gesellschaften der Menschen und ihre Beziehungen mit der Natur scheinen mir in einem bedrohlichen, vor allem aber nicht verantwortbaren Zustand zu sein. Die weltweiten Zerstörungen an Mensch und Natur sind kaum erträglich. Es besteht tief greifender Handlungsbedarf: Ich gehe davon aus, dass die Menschen die alleinige Verantwortung tragen bei der Gestaltung ihrer Gesellschaftsordnungen sowie bei allem, was aus diesen folgt. Neben dieser weltpolitischen Verantwortung erlebe ich intensiv die Schönheit der Natur und der menschlichen Kulturen, ihren beglückenden Reichtum. Die Diskrepanz zum Hässlichen, welches die Menschen verursachen, ist umso schmerzhafter. Die reichen Demokratien scheinen mir deutlich in der Verantwortung, in eine neue, postmaterielle Kultur zu gelangen.

Meine Erfahrung aus 50 Jahren engagierten (Berufs-)Lebens: Es gibt nicht sehr viele Utopisten. Es sind jene, welche sich der „Skulptur von Wolken“ widmen. Es gibt noch weniger Visionäre. Diese holen die Wolken auf die Erde, sie erden sie – wie der Bildhauer aus einem inneren Bild eine materielle, irdische Skulptur aus Stein meisselt oder aus Holz schnitzt. Als sozialpolitischer Visionär beachte ich die Lage der Gesellschaft, ihre Geschichte, ihren Entwicklungsprozess. Wenn ich nach Lösungsansätzen zur Gestaltung der Zukunft suche, fühle ich mich geerdet, nicht abgehoben, nicht schwebend. Und eine tiefe Liebe zur Menschheit und zur Welt hat sich in mir entwickelt, weg von Wut und Schmerz, … es brauchte gut 50 Jahre Reifung dazu …

Deshalb gründe ich mit Menschenklang diese Internetseite. Mir liegt daran, Visionen in die Welt zu bringen und so einen Beitrag dafür zu leisten, dass wir Menschen unser Zusammenleben auf der Erde schöner und lebensdienlicher gestalten. Wir haben die Freiheit dazu! Postmaterialismus erscheint mir als sinnvoller nächster Schritt soziokultureller Evolution in den reichen Ländern.